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18. Juli 2013

Hallo alle zusammen! Endlich ist mal wieder kurz Zeit für einen kleinen Post. Vorhin ist mir schlagartig klar geworden, dass jetzt schon fast Halbzeit für mich ist. Die Zeit rennt förmlich dahin und vergeht, so er es ihre Angewohnheit ist, immer dann viel zu schnell, wenn sie es eigentlich nicht soll. Schon jetzt merkt man, dass die Tage spürbar kürzer werden, was in Island heißt, dass es nachts tatsächlich für einige Stunden fast dunkel ist und die Mitternachtssonne allmählich tiefer steht. In der letzten Woche hat auch die eisige Kälte Einzug gehalten und wir sind hier fast im Schlamm versunken. Aber um mal ein isländisches Tourizitat zum Besten zu geben: "If you don't like the weather in Iceland just wait 15 minutes." Und so kann man es sich tatsächlich vorstellen. Man zieht sich sicher mindestens vier mal am Tag um, um die nassen Regenklamotten aufzuhängen, abends die Skihose auszupacken oder mittags im Pullover oder tatsächlich auch mal T-Shirt rauszugehen. Mein Tag besteht momentan hauptsächlich darin, zu reiten. Neben dem Führen von mehrstündigen Ritten reite ich viele junge oder neue Pferde. Je nachdem sitze ich etwa 6 Stunden täglich im Sattel, dazu kommen Arbeiten auf dem Hof und im Haus und man hat seinen 14- Stundentag schnell ausgefüllt. Diese Art "Trainerjob" kommt mir natürlich sehr entgegen und macht mir auch mit am meisten Spaß. Zwar gibt es hier " nur" eine Pferderasse, aber die Tiere sind in Charakter, Temperament und Aussehen, einhergehend mit ihrer Gangveranlagung , komplett unterschiedlich. Auf diese Unterschiede im Training einzugehen und entsprechende Talente zu fördern macht den großen Reiz aus, den diese Arbeit in sich birgt. Es wird niemals langweilig und man ist so konzentriert bei der Sache. Vor ein paar Tagen haben wir Ei einem Mitternachtsritt mit Sveinni zufällig herausgefunden, dass in einem Pferd, welches wir uns vor zwei Wochen für die Saison als Guidepferd geliehen haben, eine spitzen Begabung zum Rennpass liegt. Ich saß auf dem Fuchs, den wir aufgrund seines langen und wuscheligen Behangs nur "Haarteil" oder auch liebevoll "Mähne" nennen.Ich ritt neben Sveinni her und unsere Pferde sprangen beide fast gleichzeitig in Rennpass. Wir flogen über eine Holzbrücke und einen Steinweg entlang und "Mähne" überholte den top trainierten Rennpasser Gudni und ich grinste Sveinni nur an, der aus dem Staunen nicht mehr herauskam. Aber, don't mess with the boss! Die isländischen Männer pflegen eine ähnliche Beziehung wie in Deutschland viele Männer zu ihren Autos oder Motorrädern. Auf dem Heimweg, auf dem alle Pferde, und die die wilde "Mähne" besonders, schon sehr flott unterwegs waren, raste er lachend an mich und mein Pferd heran und trieb es zusätzlich mit der Stimme. Mähne wäre mir fast durchgegangen und diesmal im ungewollten(!) Rennpass nach Hause gesprintet, während Sveinni mir lachend zu rief : " Hey, Alti leighi Sophia-min?" Was soviel heißt wie " na alles klar, klappt alles meine Liebe? " Kurz zur Erklärung, Rennpass ist eine Spezialgangart die fast ausschließlich einigen Islandpferden zu eigen ist und wird in hohem Tempo geritten. Wer interessiert ist, kann sich das ja mal bei Youtube anschauen, denn es sieht ziemlich spektakulär aus und ist am ehesten mit einem Gefühl von Fliegen zu vergleichen. Es ist ein absoluter Rausch. Die Landschaft um dich herum verschwimmt und man spürt nur die gewaltige, fliegende Kraft des Pferdekörpers und die Mähne flattert im Wind. Eine andere Sache, die mich hier so begeistert, ist die Tatsache, dass man hier einfach alles machen kann. Keiner sagt:" Du bist ein Mädchen, du kannst das nicht!" Man tut es, also kann man es. So habe ich letzte Woche zum Beispiel die Gangschaltung des Autos unter einer holprigen, isländischen Instruktion repariert und ich habe zu solchen technischen Dingen weder eine Affinität, noch eine größere Begabung. Sveinni hätte es auch alleine machen können, es wäre bestimmt schneller gegangen. Es scheint allen hier so wichtig zu sein, dass man wirklich etwas lernt, dass man es versteht weil man es selbst tut. Dafür wird sich auch im Trubel der Sommersaison Zeit genommen. Man wird nicht schroff kritisiert, sondern es wird abgewartet, bis du deinen Fehler siehst und ihn behebst. So ist auch ein Teil der isländischen Lebensweise zu definieren. Man arbeitet hart, aber nimmt sich Zeit für die kleinen Freuden. Vorhin fuhren wir mit dem VW- Bus durchs Vesturdal und ein Auto kam uns entgegen. Darin saßen ein paar Isländer. De Fensterscheiben wurden heruntergekurbelt, die Schnupftabakdose gereicht und ein etwa fünf minütliches Gespräch über irgendetwas Belangloses, aber scheinbar amüsantes geführt. Und das mitten auf der Straße! Aber um zur Verkehrsbehinderung zu werden, hätten wir bestimmt eine halbe Stunde dort stehen müssen. Wirklich großartig haben wir in meinen Geburtstag reingefeiert. Da wir tagsüber so viel zu tun haben, musste die Nacht dafür herhalten. Sie hatten einen Geburtstagsritt geplant und Evelyn hatte mir Eldur ( sprich : Eltdür, Isländisch " Feuer) gegeben, ein Pferd, das seinem Namen alle Ehre macht! Daher lieferte ich mir mit Sveinni nochmal ein Rennen über die Brücke und er konnte den Titel wieder souverän nach Island zurück bringen Wir schwammen mit den Pferden durch den tiefen Fluss im Skagafjördur und das Wasser lief in meine Stiefel. Um zwölf machten wir eine Pause, Bella starte kurz vor zwölf einen Geburtstagscountdown und alle trällerten ein Liedchen. Elisa und ich sahen uns an, dann schauten wir zum Fluss und sahen uns erneut an. Die dicksten Sachen zogen wir aus und sprangen unter hysterischem Lachen in den eiskalten Fluss. Wir hatten eine Außentemperatur von 9 Grad, aber ich kann euch sagen, man spürt das Leben in sich aufsteigen, und fühlt den stechenden Kälteschmerz nicht mehr. Dann ging es klatschnass, aber mit trockenen Pullovern und Hosen wieder zum Hof zurück. Wir feierten noch ein Stündchen in der Bragga, eine Art Gästehaus, und Evelyn hatte mir tatsächlich noch einen wunderbar leckeren Schokoladenkuchen, mit zentimeterdickem Guss gebacken und mit Zuckerperlen und kleinen Islandfahne eine "20" darauf trapiert! Jeder der mich kennt weiß, dass ich mich immer gerne um die Feier meines Geburtstages herumdrücke und ich nicht zufällig über den 17. Juli in Island bin. Aber hier war es so ungezwungen und herrlich einfach. Ein paar Tage vorher flatterte schon eine Geburtstagskarte von meinen Verwandten aus Spanien ins Haus, womit ich nie gerechnet hätte. Über die unverhofften, lieben Worte habe ich mich mit am meisten gefreut, weil meine Großeltern bestimmt die Adresse weitergeben haben. Nochmal ein großes Takk fyrir an meine Lieben zu Hause und diese tollen Menschen hier in Island..!
19.7.13 01:59
 


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