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05. Juli 2013

Knapp 2 Wochen bin ich nun schon hier und es kommt mir vor, als wären es bislang nur wenige Tage. Jeder Tag ist von früh bis spät in die Nacht so ausgefüllt, dass ich einfach nicht dazu gekommen von, mal was von mir hören zu lassen. Am vierten Tag hatte ich ein kleines Tief, irgendwie hat mich plötzlich alles genervt und ich habe vieles hinterfragt. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass ich richtig angekommen bin. Ich glaube, man muss sich auf Sachen, die man nicht kennt oder komisch findet, eben weil man sie nicht kennt, einfach einlassen. Abwarten, alles auf sich wirken lassen und die Dinge, so wie sie kommen, mit offenen Armen entgegen nehmen. Sonntags und Montags haben wir zwei sehr arbeitsintensive Tage, die die mindestens bis halb zwölf nachts gehen, denn dann kommt Eirikur, der Schmied, da viele Pferde die mit auf die Touren sollen, neue Hufeisen brauchen. Das Berufsbild des Hufschmieds, so wie wir es in Deutschland kennen, existiert in dieser Form hier auf Island gar nicht. Eirikur ist ein "Nachbar", von einem ca. sechs Kilometer entfernten Hof, der zum Beschlagen kommt, was hier im Schnellverfahren funktioniert. Das überstehende Horn wird grob abgeknipst, die Eisen werden nicht erhitzt, sondern mit einer Zange einigermaßen auf den richtigen Winkel gebogen und auf die Hufe aufgenagelt. Würde man hier für jedes Pferd eine Stunde brauchen, würde man wahrscheinlich ausgelacht werden. Nur Sveinni nimmt sich für sein Pferd dann auch schonmal drei Stunden Zeit, raspelt und pfeilt akribisch und trinkt gemütlich ein paar Bier neben her. Aber, gelernt ist gelern! Während Eirikur, der Schmied drei Pferden innerhalb kürzester Zeit die alten Hufeisen abzieht, mühen Elisa und ich uns zu zweit an einem Pferd ab. Es wird schnell klar, dass dahinter nicht nur Kraft, sondern eher Technik steckt. Da wir diese Technik nicht beherrschen, mussten wir ( sehr zu Freude der Anwesenden) eben Kraft aufwenden. Die Abende an denen Eirikur da ist, finden in illustrer Runde im Stall statt. Neben uns schlafen schon längst die Hühner in wir reden in einer holprigen Mischung aus Deutsch und Isländisch. Während man den Huf eines Pferdes zum Beschlagen hält, bekommt man die Schnupftabakdose unter die Nase gehalten, was hier so gängig ist, wie in Deutschland der angebotene Kaffe. Nur das scheinbar jeder Isländer eine Schnupftabakdose im Haus, oder direkt dabei hat. So kamen Sveinni und ich nach drei Stunden im Regen bei einem Hof mitten in der Landschaft an und eine kleine, alte Frau, deren Haus aussah, wie in der deutschen Nachkriegszeit, zog zu allererst ihre Schnupftabakdose hervor und brühte uns einen Kaffe auf, bevor wir weiter ritten. Pferdetreiben in den Bergen ist so ziemlich das Aufregendste, was man sich vorstellen kann. Als ich heute morgen mit den Mädels die Pferde von der Koppel, die an einem Berg gelegen ist, in den Pferch treiben wollte, fiel uns auf, dass ein großer Teil der Herde fehlte. Sveinni, ich und die Boardercolliehündin Orka machten uns daraufhin auf in die Berge, um nach den fehlenden Tieren zu suchen. Natürlich blieb trotz aller Dringlichkeit noch Zeit, um einen kurzen Stopp bei einen Nachbarn, der in einer winzigen Hütte lebt, einzulegen und auf dem Pferd einen Kaffe zu trinken. Es wurde auf Isländisch geredet, ich verstand kein Wort, aber wenigstens gab es keinen Schnaps, denn das ist hier beim Zusammentreffen auch irgendwie üblich. Nach der kleinen Pause ritten wir weiter. Unsere Pferde kletterten bergziegengleich felsige Steilhänge hinauf, bis wir schließlich eine Anhöhe mit einem riesigen Bergsee erreichten. Wir ritten bis zum Ende des Plateus, von dem aus man in das scheinbar nie enden wollende Tal schauen konnte. Die Weite, die Stille und die Einsamkeit dort oben erschlugen mich förmlich. Der Blick auf die gewaltigen, schroffen Berge und die Höhe auf der wir uns befanden, jagten mir einen Schauer über den Rücken. Aber wie sollte man hier verloren gegangene Pferde finden? Es war einfach alles so groß, so weit.. In halsbrecherischem Tempo jagten wir die Berge hinunter und mir stockte mit Sicherheit mehr als einmal der Atem und ich bin nun absolut kein ängstlicher Reiter. Gerade ritten wir auf einem Felsvorsprung entlang, als plötzlich ein immer lauter werdendes Donnern von den Bergwänden hallte. Ich horchte auf. Das Donnern wurde lauter. Ich drehte mich im Sattel um und eine riesige Pferdeherde brach zwischen den Felswänden hinter uns hervor. Sie rannten aus den Engpässen der Berge heraus auf die freie Fläche am Fuß des Berges hinter uns, immer weiter.. Es war einfach nur atemberaubend schön und es fällt so schwer diese besondere Atmosphäre in Worten erfassen zu wollen. Bestimmt zwei Stunden ritten wir schweigend, ohne eines unserer Pferde zu entdecken. Sveinni schien schon fast verzweifelt, ständig ritt er auf einen kleinen Hügel um Ausschau zu halten. Und plötzlich tauchten ein paar der Ausreißer vor uns auf. Von dort aus hatten wir es nicht mehr weit. Wir hatten unsere Herde wieder und trieben die zwanzig Pferde vor uns her ins Tal herunter. 500 Meter vor dem letzten Tor bedeute Sveinni mir, auf dem Berg zu warten, die Herde verharrte bewegungslos unter mir am Fuß des Berges und Sveinni ritt los, um das Tor zu öffnen. Er winkte mir zu und ich galoppierte los. Die Pferde rannten los und zum Glück durch das Tor und nicht daran vorbei. So kamen wir am Hof an und ich war schon ein bisschen stolz. Soviel Abenteuer an einem Morgen..!
7.7.13 00:58
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Papa & Sigi (9.7.13 09:52)
Liebe Sophia,

du schreibst so schön, das ist der Hammer !!! Beim lesen habe ich das Gefühl ich bin dabei, was ich auch gerne wäre, obwohl Pferde nicht so mein Ding sind eher die motorisierten Pferdestärken:-). Die Landschaft und das Leben der Leute gefallen mir sehr, das hört sich so normal an, nicht so überspannt wie bei uns.
Solltest es mal mit Bücher schreiben probieren.

Wir drücken dich und freuen uns immer wenn Du schreibst.

Lieben Gruß
Sigi

Bis bald

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